
Klein lernt von Groß
„Jetzt musst du den Objektivträger nehmen und ins Okular schauen.“ „Nun ist der Stromkreis geschlossen.“ „Dazu brauchst du zwei Reagenzgläser.“ – Diese und andere Anweisungen konnte man hören, wenn man in den vergangenen Unterrichtstagen durch den Trakt der naturwissenschaftlichen Räumlichkeiten der Johannes-Gutenberg-Schule gegangen ist. Unter dem Motto des experimentellen Lernens waren etwa 200 Schülerinnen und Schüler aus den benachbarten Grundschulen von Ehringshausen, Aßlar, Sinn, Katzenfurt, Werdorf, Ulmtal und Beilstein in der weiterführenden IGS zu Gast, um sich in den Fächern Biologie, Physik und Chemie von älteren JGS’lern anleiten zu lassen. Schnell hatten sich die Grundschülerinnen und Grundschüler auf Anleitung der „Großen“ weiße Versuchskittel angezogen, Schutzbrillen aufgesetzt und alle weiteren Sicherheitsmaßnahmen befolgt, bevor es zu den exakten Versuchsaufbauten ging. Da wurde ein Stromkreislauf geschlossen, die Kraft von Magneten getestet, kleine Tiere und Pflanzen unter dem Mikroskop betrachtet sowie unterschiedliche Stromkreise mit Lampen und Schaltern aufgebaut. Auch der Versuchsaufbau zum Hebelgesetz faszinierte die kleinen Gäste, als jeder erleben konnte, wie ein längerer Hebelarm ganz wenig Kraft benötigt, um doch sehr leicht ein größeres Gewicht bewegen zu können. Die staunenden Gesichter waren ein Beleg dafür, dass die Schülerinnen und Schüler aus den Abschlussklassen ihr Wissen sehr gut vermitteln konnten und die Spannung immer hochhielten. Die so genannten Lernpaten standen den Gästen aus den Grundschulen den gesamten Unterrichtstag zur Verfügung und schnell war klar, dass alle beim gemeinsamen Lernen ihre große Freude hatten.
„Das war ein toller Tag und ich freue mich schon auf morgen, wenn wieder so nette Grundschülerinnen und Grundschüler hier bei uns zu Gast sein werden. Alle waren konzentriert und stellten wirklich kluge Fragen, die sich aus den einzelnen NaWi-Stationen ergeben hatten“, war die positive Rückmeldung am Ende des Tages. Aber ebenso fiel die Bilanz der Gäste aus, als es hieß, Abschied zu nehmen. „Ich bin sehr angetan von dem großen Engagement, dem Fachwissen und dem Einfühlungsvermögen, das die Jugendlichen aus der JGS gezeigt haben. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt“, so die einhellige Meinung unter den Grundschulkolleginnen und -kollegen.
Auch Organisator und Physiklehrer Marc Schäm zeigte sich sehr zufrieden mit dem gelungenen Aktionstag: „Klein lernt von Groß“ beschreibt ein pädagogisches Prinzip, bei dem jüngere oder unerfahrenere Lernende von älteren und erfahreneren Schülerinnen und Schüler begleitet sowie unterstützt werden. Der Sinn dieses Ansatzes liegt vor allem im gegenseitigen Lernen, in der Stärkung sozialer Beziehungen und in der individuellen Förderung. Für Jüngere bedeutet dies Orientierung, Sicherheit und Unterstützung. Die Großen dienen hier als Vorbilder, erklären Inhalte verständlich, teilen ihre Erfahrungen und helfen beim Lernen auf Augenhöhe. Dadurch fällt es den Jüngeren oft leichter, Fragen zu stellen, Fehler zuzulassen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.“ Auch Schulleiterin Annegret Schilling zeigte sich mit dem Tag äußerst zufrieden. „Experimentieren ist ein zentraler Bestandteil des Lernens in den Naturwissenschaften und dient dazu, Phänomene der Natur aktiv zu erforschen. Durch Ausprobieren und Untersuchen gewinnen Lernende Erkenntnisse nicht nur theoretisch, sondern vor allem durch eigenes Handeln, Beobachten und Nachdenken. Und in dieser Kombination von Klein und Groß erkennen alle, dass Lernen sogar Spaß machen kann.“

















